Für Zusammenhalt und Solidarität
Alle zwei Jahre findet das traditionelle Open Air Festival, veranstaltet von der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF), am Kölner Tanzbrunnen zusammen. Auch dieses Jahr werden neben unterschiedlichen Music-Acts, Rednern, Schriftstellern usw. wieder mehrere tausend Gäste erwartet. Doch das Festival ist nicht eine reine Kulturveranstaltung, sondern eine Antwort auf eine Zeit voller Krieg, Rassismus und sozialer Kürzungen.
Das Festival ist ein besonderer Höhepunkt der Arbeit der DIDF auf Bundesebene und der Ortsgruppen. Doch auch für Leute, die keine DIDF Mitglieder sind, ist es eine ganz besondere Veranstaltung. Und das liegt nicht ausschließlich am Programm, auch wenn das sehr vielfältig ist.
Abwechslung auf der Bühne
Ziel des Fests ist es, eine Bühne für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzubieten. Deshalb gibt es mit Mustafa Özarslan einen Künstler, der türkische Volksmusik macht, während gleichzeitig mit Agirê Jiyan eine der bekanntesten kurdischen Musikgruppen Teil des Programms ist. Mit Gaye Su Akyol ist eine Künstlerin vertreten, die Volksmusik mit psychedelischem Rock mixt. Die Gruppe Moğollar erreicht sehr viele unterschiedliche Menschen, schließlich ist sie eine der ältesten und bekanntesten Rockbands der Türkei. Doch nicht nur türkisch- und kurdischsprachige Musik ist geplant. Die junge Band Kontrast singt auf vielen verschiedenen Sprachen, während das Rap-Trio Junge Arbeiter auf Deutsch performen und Kai Degenhardt einer der renommiertesten deutschen Liedermacher in der Friedensbewegung ist.
Ergänzt wird das Bühnenprogramm von Folklore sowie Redebeiträgen von Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Parteien, internationalen Gästen, sowie von DIDF selbst.
Begegnung an Infoständen, dem Kinderdorf uvm.
Auch außerhalb der Bühne steht die Begegnung im Vordergrund. Sei es im Kinderdorf, bei dem die kleinsten Besucher des Festivals sich kennenlernen und Spaß haben können. Oder bei den zahlreichen Infoständen, bei denen die teilnehmenden Organisationen über ihre Arbeit informieren. Oder bei den Ständen der Schriftsteller, bei denen man sein Lieblingsbuch signieren lassen kann. Bereits jetzt haben sich so u.a. Can Dündar und Fehim Taştekin angekündigt. Die Organisation bis hin zur Durchführung wird komplett von DIDF Mitgliedern aus Deutschland übernommen: vom Kinderprogramm, über den Essensverkauf und die Betreuung am Infostand, alles ehrenamtlich und freiwillig und das aus einem guten Grund.
Warum Zusammenhalt und Solidarität keine Floskel ist
So schön der Tag des Festivals ist, so viel Arbeit wird Monate zuvor reingesteckt. Die Planungen für das Fest beginnen frühzeitig, die Organisation des Bühnenprogramms, der Essensstände, die Werbung uvm. binden viele Ressourcen der gesamten Organisation. Hunderte Menschen verteilen über Wochen hinweg Flyer, gehen Plakatieren, verkaufen Tickets, steigen um 5 Uhr morgens in den Bus und arbeiten zusätzlich auf dem Festival. Das, natürlich, weil es eine gute Veranstaltung mit einem ansprechenden Programm ist. Weil es Menschen, die vielleicht unter sonstigen Bedingungen kein Konzert besuchen können, den Zugang zu einer Kulturveranstaltung ermöglicht. Aber auch, weil Zusammenhalt und Solidarität in der aktuellen Zeit praktisch gelebt werden müssen.
Denn wir gehen durch eine besondere Zeit. Eine Zeit, in der das ausbleibende Wirtschaftswachstum der deutschen Industrie auf die Bevölkerung abgewälzt wird. Dass Volkswagen und co. nun weniger Gewinnmargen haben, sollen Arbeiterinnen und Arbeiter ausbaden, indem sie einerseits ihre Jobs verlieren und gleichzeitig auf hart erkämpfte Rechte verzichten sollen. Der Achtstundentag soll, wenn es nach Wirtschaft und Bundesregierung geht, aufgeweicht werden. Krankschreiben? Warum, wenn man auch krank zu Arbeit gehen kann? Das Rentenalter soll so weit angehoben werden, dass viele nur noch vom Ruhestand träumen können. Gleichzeitig gibt es massive Angriffe auf die soziale Absicherung. Gepaart werden all diese Angriffe gemeinsam mit der exzessiven Aufrüstungspolitik Deutschlands. Die BRD soll „kriegstüchtig“ werden. Aber die „stärkste Armee Europas“ kommt nicht von allein. Massive Etats verbunden mit einer dauerhaften Kriegspropaganda scheinen den Aufrüstungskurs für viele unausweichlich zu machen. Doch lange nicht für alle. Bei den Ostermärschen oder den großen Friedensdemonstrationen haben immer wieder Zehn- bis Hunderttausende gezeigt, dass sie eine Friedenspolitik fordern. Auch nicht zuletzt, weil die aktuelle Bundespolitik die Kriegskosten auf dem Rücken der sozialen Vorsorge abdeckt. Kürzungen in der Bildung, Gesundheit, beim Schutz von Frauen und Kindern sind allgegenwärtig, während mit dem neuen Wehrdienstmodell, die Pflicht zum Dienst an der Waffe wieder eingeführt werden soll.
All diese und viele weitere Angriffe auf die Werktätigen Frauen und Männer und die Jugend können nur mit dem kleinsten Widerstand durchgesetzt werden, wenn wir uns spalten lassen, statt uns zusammenzutun. Wenn wir erlauben, dass die AfD mit ihrer rechten – und übrigens keinesfalls Arbeiterfreundlichen – Politik einen Keil zwischen uns treibt. Wenn wir erlauben, dass Friedrich Merz von „Stadtbild“ und „Töchtern“ sprechen und somit seine rassistische und sexistische Politik fortführen kann.
Überall wo es DIDF-Strukturen gibt, versucht sie als Teil der Friedensbewegung, des antirassistischen Kampfs und in Tarifauseinandersetzungen den Kampf zu stärken und Einheit und Solidarität zu organisieren, dass niemand auf dem Rücken von Arbeiterinnen und Arbeiter Politik macht. Bei ihrem Festival setzt DIDF einmal mehr ein Zeichen. Dass Menschen genauso gemeinsam feiern können, wie sie zusammen kämpfen können. Das tausende Menschen aus dem ganzen Land (und auch aus anderen europäischen Ländern) für Zusammenhalt und Solidarität zusammenkommen und eine Einheit zeigen, gegen die Kriege, den Nationalismus und die Ausbeutung der Politik und Wirtschaft. Wir stehen zusammen und solidarisch, so wie an jedem anderen Tag auch, am 13. Juni am Kölner Tanzbrunnen. Wer also noch kein Ticket hat, sollte sich schnell eins bei unseren Ortsgruppen oder Online besorgen.
