Was erwartet uns auf dem Festival für Zusammenhalt und Solidarität?

Das Festival für Zusammenhalt und Solidarität, organisiert von DIDF, wird am 13. Juni mehrere Tausend Menschen aus ganz Deutschland am Kölner Tanzbrunnen zusammenbringen. Neben dem kulturellen Programm und den Acts, werden auch Journalisten, Autoren und Künstler dabei sein. Während die einen das Bühnenprogramm genießen, werden andere die Möglichkeit haben, mit Journalisten und Autoren ins Gespräch zu kommen, Organisationen kennenzulernen und auch die kleinen Gäste werden nicht zu kurz kommen, denn sie erwartet ein ganz eigenes Programm. 

Welche Acts sind dabei? 

Agirê Jiyan zählt zu den prägendsten Stimmen der modernen kurdischen Musik. Die Band verbindet traditionelle kurdische Klänge mit Folk und politischen Texten – kraftvoll und zeitlos. Besonders in den 1990er-Jahren wurde sie für viele Kurdinnen und Kurden in Europa, vor allem in Deutschland, zum musikalischen Symbol von Identität, Heimat und Hoffnung. Ihre Musik bewegt bis heute weit über die kurdische Community hinaus.

Gaye Su Akyol verbindet psychedelischen Anatolian Rock mit einer klaren Haltung gegen den politischen Rechtsruck in der Türkei. Sie versteht ihre Musik als eine Form von kulturellem Widerstand. Sie betont, dass Kunst nicht neutral sein muss, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse hinterfragen soll. Ihre Haltung richtet sich gegen Einschränkungen von Freiheit und gegen konservative und rückschrittliche Normen, vor allem des Erdoğan-Regimes. In Anbetracht der Entwicklungen in der Türkei, ist es umso wichtiger, dass es solche Künstlerinnen gibt. 

Moğollar gehören zu den bekanntesten und Bands des Anatolian Rock seit Ende der 1960er-Jahre. Ihr Sound aus Psychedelic Rock und anatolischer Tradition hat eine ganze Generation von Musikern inspiriert. Besonders der Song „Bir Şey Yapmalı“ ist bis heute ein Klassiker: „Man muss etwas tun“ – ein Titel, der hängen bleibt und sich wie ein Echo durch die Zeit zieht. Das unterstreicht damals, wie heute, dass man eben etwas tun muss und nicht tatenlos zusehen kann. Umso bedeutsamer, wenn man die Entwicklungen weltweit, aber auch in der Türkei betrachtet. Kraftvolle Gitarren und anatolische Melodien machen ihn zu einem der markantesten Stücke der Band und zu einem Symbol ihres musikalischen Erbes.

Mustafa Özarslan ist eine der markanten Stimmen der modernen türkischen Volksmusik. Mit seiner kraftvollen, oft rauen Stimme interpretiert er traditionelle anatolische Lieder neu und verbindet dabei klassische Volksmusik mit einem zeitgemäßen Ausdruck.

Junge Arbeiter ist eine deutschsprachige Rap-Gruppe, die den Alltag, Arbeit und sozialen Druck junger Menschen thematisiert. Ihre Musik ist direkt, roh und erzählt aus der Perspektive einer Generation zwischen Unsicherheit und klarer Kante.

Kai Degenhardt ist ein politischer Liedermacher in der Tradition des Protestsongs. Seine Musik ist geprägt von gesellschaftskritischen Texten, die sich mit sozialer Ungleichheit, Macht und politischen Entwicklungen auseinandersetzen und Musik als klare Haltung verstehen.

Kontrast die Band der DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V.), die aus Mitgliedern aus ganz Deutschland und sogar London auf dem Sommercamp der Jugendorganisation von DIDF entstanden ist. Die Band ist für ihr antifaschistisches und antimilitaristisches Engagement bekannt. Ihre Musik steht für Zusammenhalt und Völkerverständigung und vereint verschiedene Sprachen und kulturelle Einflüsse.

Stimmen aus Öffentlichkeit, Literatur und Gesellschaft

Can Dündar steht für eine Stimme, die nicht leiser geworden ist, obwohl sie ins Exil gedrängt wurde. Als Journalist und ehemaliger Chefredakteur von Cumhuriyet wurde er zu einem Symbol für Pressefreiheit – nach Recherchen über staatliche Machtstrukturen folgten Anklagen, Prozesse und schließlich der Weg nach Deutschland. Seit seinem Exil in Deutschland setzt Dündar seine Arbeit als Journalist, Autor und Dokumentarfilmer fort. Immer wieder warnt er vor Zensur, politischer Einflussnahme auf Medien und der Gefährdung journalistischer Arbeit – nicht nur in der Türkei, sondern weltweit. 

Gamze Kubaşık steht für eine klare, unbeugsame Stimme gegen Rassismus und rechte Gewalt. Nach der Ermordung ihres Vaters Mehmet Kubaşık durch den NSU wurde sie zu einer zentralen Figur der Angehörigen, die Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen einfordern. In ihrem Buch verarbeitet sie diese Erfahrung und macht sichtbar, was hinter den offiziellen Erzählungen oft verschwindet: den Schmerz der Familien, das institutionelle Versagen und den langen Kampf um Anerkennung. 

Beim Festival sind Can Dündar, Fehim Taştekin und Gamze Kubaşık ebenfalls vor Ort. Dort entsteht ein eigener Bereich für Bücher, Autoren sowie politische und kulturelle Gespräche – ein Raum für Austausch, Literatur und Debatten.

Neben den bereits genannten Gästen sind noch viele weitere Menschen aus Politik, Interessensvertretungen, Kultur und Literatur beim Festival dabei. Özlem Alev Demirel ist nur eine von vielen Stimmen, die das Programm mit ihren Perspektiven bereichern und für Austausch sorgen werden. 

Und auch für die kleinen Festivalbesucher ist gesorgt. Das Kinderdorf lässt die Herzen der Kinder höher schlagen. Von Puppentheater bis Mitmachangeboten ist alles dabei, damit auch die Jüngsten nicht zu kurz kommen.

Warum dieses Festival?

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen und des wachsenden Einflusses rechter und rückschrittlicher Kräfte versteht sich das Festival als bewusster Gegenentwurf. Mit den eingeladenen Acts und des gesamten Programms wird eine klare Haltung sichtbar: gegen Nationalismus, Rassismus, Spaltung und Kriege – für Solidarität, Vielfalt und Frieden.

Dabei ist das Festival mehr als ein kultureller Raum. Es ist ein Ort des Zusammenkommens. Ein Moment, in dem Menschen nicht nur zuschauen, sondern gemeinsam sichtbar machen, dass sie für eine offene, solidarische Gesellschaft stehen – und dass sie bereit sind, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen.